CIRCUS RONCALLI

Im Jahr 1975 sitzt Bernhard Paul in einem gemieteten Haus in Wien und bastelt an seiner Phantasie - einen eigenen Circus zu gründen. Ohne an das benötigte Kapital zu denken, schmiedet er weiter Pläne und baut sich seinen "Traumcircus" im Modell. Als Andre Heller von Pauls Traum erfährt, nimmt er Kontakt zu ihm auf und bietet ihm eine Kooperation an.

Nach einigen Höhen und Tiefen fand am 18. Mai 1976 die Weltpremiere des Circus Roncalli im Bonner Hofgarten statt. Es war ein großer Erfolg, doch es dauerte nicht lange bis die ersten Konflikte auftraten. Einige große Circusdirektoren beschwerten sich bei der Stadt Bonn über ihr großes Engagement gegenüber dem "Neuling" Roncalli. Hintergrund war der Verzicht der Stadt auf die Platzmiete, sowie die Übernahme der Transportkosten in Höhe von etwa 10.000 DM.

Bald schon drohte dem Circusprojekt das "AUS". Nach dem Gastspiel in München im Jahre 1976 trennte sich Andre Heller nach heftigen Auseinandersetzungen mit Bernhard Paul von Roncalli. Als Ersatz für Heller sprang der Wiener Georg Danzer ein. Mit Hilfe von Danzer schrieb der Circus endlich wieder schwarze Zahlen. Doch dieses reichte nicht aus, um das Unternehmen zu retten. Bernhard Paul konnte die Rechnungen der Wiener Gebietskrankenkasse nicht mehr zahlen und so lies die Firma den kompletten Circus pfänden. In einer "Nacht- und Nebelaktion" rettete Paul mit seinen Freunden in letzter Sekunde den Circus Roncalli und versteckten alle Wagen und Requisiten im Schlachthof von St. Marx (Österreich).

Die Situation schien aussichtslos. Nur mit einer Reisetasche persönlicher Dinge flüchtete Paul vor seinen Schulden nach Köln. Er nahm Kontakt zu seinem alten Freund Harry Owens auf,  der ihm helfen wollte, einen neuen Start in Köln zu wagen. Owens besorgte ihm einen alten Campingwohnwagen, worin er eine ganze Zeit auf dem alten Gelände der Stollwerk-Fabrik hauste. Bernhard Paul besorgte sich zwei alte Blechpackwagen aus seinem alten Bestand aus Wien. Daraus bastelte er sich ein "Roncalli-Panoptikum" und zog damit über Volksfeste und Jahrmärkte. Er stellte darin einige Dinge seiner alten Circus-Sammlung wie z.B. alte Plakate und Bilder sowie einige seiner über 40 Wachsfigurenköpfe zu Schau.

Nach einiger Zeit hatte er das Geld zusammen, um sich sein altes Baumwollzelt, das er wiederum bei der Zwangsversteigerung der Circus Medrano übernommen hatte, wieder zurückkaufen. Eine neue Ära des Circus Roncalli begann. Der Circusfuhrpark wuchs stetig und immer mehr Wagen wurden liebevoll zurecht gemacht. 1978 feierte Paul eine Party auf dem Gelände der Stollwerk-Fabrik. Zu diesem Anlass studierten Paul und seine Freunde die erste Vorstellung ein, die sie am Abend ihren Gästen, Freunden und Mitarbeitern aufführen wollten. Dies war der "Grundstein" für den heute noch bestehenden Circus Roncalli.

Zu Beginn geriet der Circus jedoch öfters in Geldsorgen. Ehe der Schweizer Kabarettist Emil Steinberger dem Circus auch finanziell zu großen Erfolg verhalf. Ab diesem Moment ging es für Roncalli steil bergauf. Roncalli entwickelte sich zum Unikat. Kein anderer Circus verfügt heute über solch einen Fuhrpark oder Requisiten wie der Kölner Circus Roncalli.

Ein kleiner geschichtlicher Rückblick: Fotos vom 16. Mai 1984 in Recklinghausen © Herman Gelderblom